Blutgasanalyse korrekt interpretiert?
Brief zu: Fischer M, Amrein P, Weirauch T, Knoblauch C. Wenn das Antibiotikum zu Atemnot führt. Swiss Med Forum. 2024;24(08):102–4.
Auch als Pensionierter lese ich noch regelmässig medizinische Literatur, so wie das am 21.02.2024 erschienene Swiss Medical Forum. Auf Seite 103 ist eine Blutgasanalyse aufgelistet, an deren korrekter Interpretation ich meine Zweifel hege. Ein venöser Sauerstoffpartialdruck (pO2) von 9,55 kPa ist doch schon sehr hoch, der Kohlendioxidpartialdruck (pCO2) dagegen sehr tief (für venös, denn sollte es venös sein, müsste der arterielle Wert ja noch tiefer sein).
Der Basenüberschuss beträgt −21,4 mmol/l und ist mit einer Anionenlücke von 14,1 mmol/l nur um 2,1 mmol/l erklärt (bei einem oberen Normwert der Anionenlücke von 10−12 mmol/l). Die restlichen 19,3 mmol/l sind also anderswo zu suchen: zu finden in der schweren Hyperchlorämie (nach Stewart [Elektrolyteffet: Na − Cl − 38]: 141 − 122 − 38 = −19). Diese 19 mmol/l Chlorid erzeugen leider die Azidose, als eine hyperchloräme Azidose. Würde das Flucloxacillin in Kombination mit Paracetamol eine Azidose erzeugen, dann über den Umweg einer Hyperchlorämie. Eine andere «Säure» ist in dieser Blutgasanalyse für die Erklärung der Azidose nicht vonnöten.
Dr. med. Alois Haller, Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden, Herisau
Die Replik auf diesen Leserbrief finden Sie unter: https://smf.swisshealthweb.ch/de/article/doi/smf.2024.1456685972.
Conflict of Interest Statement
Der Autor hat deklariert, keine potentiellen Interessenkonflikte zu haben.
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