Langdauernde Therapie oder Kurztherapie im Schub?
Mit Interesse habe ich den Artikel über die idiopathische rezidivierende Polyserositis und Perikarditis (IRPP) von Frau L. Pichler und Prof. W. Walker gelesen.
Bei der Diskussion der Therapie weisen die Autorin und der Autor auf die ausgezeichnete Wirkung des Interleukin-(IL-)I-Antagonisten Anakinra (Kineret®) hin. In ihrer Tabelle 4 zur medikamentösen Therapie wird dieses in einer Dosis von 100 mg subkutan (s.c.) täglich über drei Monate, gefolgt von langsamem Ausschleichen empfohlen.
Mit der Schilderung eines Krankheitsverlaufes möchte ich diese Langzeittherapie infrage stellen, da mit viel kürzerer Therapiedauer von nur 1–3 Tagen (!) ebenfalls exzellente Resultate erzielt werden konnten.
Eine 45-jährige Patientin mit seit Jahren bekanntem Asthma bronchiale, chronischer Rhinopathie mit Nasenpolypen und Analgetikaintoleranz erkrankte an einer idiopathischen Pleuroperikarditis. Wegen Analgetikaintoleranz erfolgte eine Therapie mit Prednison (initial 50 mg) mit prompter Entfieberung, Verschwinden der Schmerzen und Normalisierung der Entzündungsparameter. Wie zu erwarten kam es leider nach Absetzen der Kortikosteroide nach unterschiedlichen freien Intervallen zu Rezidiven, die aber immer wieder gut und rasch auf Prednison reagierten. Später wurde einmal Colchizin versucht, musste aber nach drei Tagen wegen Unverträglichkeit abgesetzt werden.
Um von der wiederholten Kortikosteroidtherapie wegzukommen, habe ich die Krankengeschichte mit Herrn Prof. P. Villiger, Medizinisches Zentrum Monbijou, Bern, diskutiert. Er hat eine Therapie mit Anakinra im Schub vorgeschlagen.
Beim nächsten Schub erhielt die Patientin deshalb Anakinra 100 mg s.c. an drei aufeinanderfolgenden Tagen (total 3 × 100 mg). Noch eindrücklicher als unter Prednison verschwanden die Beschwerden prompt, die Patientin entfieberte und die Entzündungsparameter normalisierten sich.
In der Folge kam es zwar zu Rezidiven, diese waren aber weniger stark ausgeprägt. Die freien Intervalle betrugen meist 3–6, einmal sogar zehn Monate. Die Rezidive wurden jeweils mit einer Dosis Anakinra 100 mg s.c. coupiert (während der ganzen 4½-jährigen Beobachtungszeit wurde bei einem Rezidiv ausnahmsweise Anakinra an zwei Tagen gegeben).
Diese Krankengeschichte einer Patientin mit idiopathischer rezidivierender Pleuroperikarditis bestätigt, dass der IL-I-Antagonist Anakinra diese Krankheit akut zum Abklingen bringen kann, aber dass Anakinra nicht als Langzeittherapie gegeben werden muss, sondern nur in kurzen Stössen von 1–3 Tagen im Schub. Ob es besser ist, eine nächste Dosis im folgenden Schub oder «prophylaktisch» alle 2–3 Monate zu verabreichen, bleibt offen.
Dr. med. Matthias Koller, Zollikon
Bemerkung zur Terminologie: Polyserositis schliesst eine Perikarditis ein, der Titel der Arbeit hätte also einfach auch heissen können «Idiopathische rezidivierende Polyserositis». Da aber eine Peritonitis bei diesem Krankheitsbild kaum vorkommt, wäre besser: Pleuro-/Perikarditis.
Die Replik auf den Leserbrief finden Sie unter https://doi.org/10.4414/smf.2023.09498.
Der Autor hat deklariert, keine potentiellen Interessenskonflikte zu haben.